Die Kulturregionen – Landschaften mit Profil

Die kulturellen Landschaften Nordrhein-Westfalens zeichnen sich durch Vielfalt, Kreativität und Weltoffenheit aus. Theater und Orchester, Museen, Bibliotheken, freie Szene, vor allem aber die etwa 30.000 hier lebenden Künstler_innen bestimmen das Klima des Landes mit.

Jede Region in Nordrhein-Westfalen hat ihr unverwechselbares kulturelles Profil. Die bundesweit einzigartige Regionale Kulturpolitik fördert die Besonderheiten der einzelnen Regionen und regt gleichzeitig dazu an, durch Kooperation und Vernetzung an, übergreifend Kräfte der Regionen zu bündeln und Regionen zu stärken.

Auf der Basis kulturhistorisch gewachsener und bestehender organisatorischer Strukturen festgelegt, sind die Grenzen der einzelnen Kulturregionen, sondern nicht hermetisch, sondern fließend – Kommunen können also wechselnde und doppelte Zugehörigkeiten haben und sich an Projekten verschiedener Kulturregionen beteiligen. 

Die Regionen im Überblick

Die Region Aachen grenzt unmittelbar an belgische und niederländische Nachbargebiete, die im Kooperationsverbund der Euregio Maas-Rhein seit vielen Jahren zusammenarbeiten. So bringt die politische Geografie der Dreiländer-Region ein reizvolles Gemisch von Traditionen, Mentalitäten, Sprachen und Anschauungen in einen gegenseitigen Austausch – eine Situation, die sich auf die Qualität des kulturellen Schaffens ebenso positiv auswirkt wie auf die Vielfalt des kulturellen Angebots.

Das Bergische Land zeichnet sich aus als eine Einheit von Kultur- und Naturraum. Die wald- und wasserreiche, bergige Landschaft förderte die kleinteilige Struktur des Bergischen und prägte die Menschen bis zur Eigensinnigkeit. Die Landschaft macht das Bergische Land heute zu einer Region mit hohem Freizeitwert. Sie bietet sowohl Naturerlebnis als auch Urbanität mit einem breiten Kulturangebot, einer hervorragenden Museumslandschaft und Stärken im Musikbereich.

Die Kulturregion Hellweg als jüngste Kulturregion ist angesiedelt zwischen Ruhrgebiet, Münsterland, Sauerland und Ostwestfalen-Lippe. Einzelkünstler wie freie Theater-, Musik- und Tanzensembles bilden eine lebendige Kulturszene. Hier finden sich das Zentrum für Internationale Lichtkunst Unna, zahlreiche Museen und soziokulturelle Zentren wie der Alte Schlachthof Soest ebenso wie das Krimifestival „Mord am Hellweg“, das Jazzfest „Take Five“ oder der „Celloherbst“.

Die Kulturregion Münsterland ist geprägt durch ihre charakteristischen Parklandschaften, ihre Schlösser und Burgen, historische Innenstädte und nahezu unendliche Fahrradwege. Eine hohe Dichte an kleineren und größeren Museen und Galerien, Kunstvereinen und Theaterhäusern sowie eine blühende Musiklandschaft zeugen vom typischen Miteinander von Tradition und Moderne in der Region. Als Innovationsfeld für Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur birgt das Münsterland thematisch und strukturell großes Potenzial für Kooperationen und künstlerische Auseinandersetzungen.

Die Kulturregion Niederrhein ist geprägt durch international renommierte zeitgenössische Museen, den Austausch mit den Niederlanden, aber auch durch Regional- und Stadtgeschichte und Themen vom Spielzeug bis zu den Naturwissenschaften. Die Städte bieten hervorragende Theateraufführungen, hochrangige klassische Konzerte und Jazzfestivals. An Denkmaltagen öffnen sich die Herrenhäuser und ermöglichen die Begegnung mit vielen sehenswerten Baudenkmälern. 

Das kulturelle Spektrum der Kulturregion Ostwestfalen-Lippe reicht von Mittelalter bis Hightech, von Weserrenaissance bis Postmoderne: Die Kulturlandschaft in Ostwestfalen-Lippe umfasst rund 170 Museen und eine lebendige Theater- und Musikszene. Im ländlichen Raum prägen und gestalten Musikschulen, Museen, aber auch bürgerschaftliche Initiativen das kulturelle Geschehen. Über 120 Gärten und Parks verleihen der Region ihr unverwechselbares Gesicht.

In der Rheinschiene begegnet man zwischen urbanen Zentren und ursprünglicher Landschaft vielfältigen Zeugnissen der Siedlungs- und Migrationsgeschichte des Rheinlandes: Schlössern, Burgen und Herrenhäusern, Klöstern, Mühlen, alten Handelsstraßen und Relikten der Industrialisierung. Die Kulturszene umfasst zahlreiche Theater, Orchester, Museen und Sammlungen, Bibliotheken, Musikschulen sowie die freie Szene. Traditionelle und moderne, bodenständige und progressive Angebote bestehen unmittelbar und gleichberechtigt nebeneinander. 

Die Kulturregion Ruhrgebiet – einst industriell geprägt durch Kohle und Stahl – hat sich als selbstbewusste und facettenreiche Kulturlandschaft etabliert. Die Kulturhauptstadt Europa 2010 wartet mit über 200 Museen, bedeutenden Theatern, Konzertsälen, herausragenden Musikensembles und einer großen freien Kulturszene auf. Festivals und Festspiele wie die RuhrTriennale begeistern jährlich tausende Besucher. Imposante Architektur und zahlreiche Industriedenkmäler, darunter die 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannte Zeche Zollverein, dienen heute als spektakuläre Veranstaltungsorte. 

Im Sauerland als historisch gewachsener Kulturregion hat das Brauchtum einen hohen Stellenwert. Diese Wertschätzung gewachsener Traditionen verbindet sich mit grundsätzlicher Offenheit für Innovationen, sodass Brauchtumspflege und kreative Weiterentwicklung keine Gegensätze darstellen. Die Kulturarbeit wird hier durch ehrenamtliches Engagement getragen, denn nirgendwo sonst sind mehr Menschen in kulturellen Vereinigungen aktiv. Das Engagement in Musikvereinen, Chören und Schützenvereinen ist von großer Bedeutung für das kulturelle Profil der Region. 

Kulturelle und touristische Projekte, Veranstaltungen und Netzwerke rücken die beeindruckenden Zeugen der Wirtschaftsgeschichte der Kulturregion Südwestfalen in den Mittelpunkt und verdeutlichen die starke Verknüpfung zwischen Natur, Mensch und Technik. Südwestfalen ist ein altes und heute noch prosperierendes Metallgewerbegebiet, die Menschen haben in den Jahrhunderten ihres wirtschaftlichen Schaffens eine charakteristische und markante Industriekulturlandschaft hinterlassen. Trotz dieser industriellen Prägung ist Südwestfalen die waldreichste Region Nordrhein-Westfalens. Die Menschen setzen sich mit viel persönlichem Engagement für den Erhalt und die kulturelle Ausgestaltung ihrer regionalen Kulturlandschaft ein.

Regionale Kulturpolitik in NRW - Hintergrund

Um die Besonderheiten der einzelnen Regionen kenntlich zu machen, spielt ein bundesweit einzigartiges Förderprogramm eine entscheidene Rolle: die Regionale Kulturpolitik.

Diese Form der Kulturförderung hat sich in Nordrhein-Westfalen seit 1996 etabliert und bis heute manche Nachahmer gefunden. Initiiert und getragen wurde sie vom Konzept der Regionalen Kulturpolitik. Bereits im Zuge der Regierungsbildung 1995 war die teilweise Regionalisierung der Kulturförderung zu einem zentralen Anliegen der Landeskulturpolitik avanciert. Im Kern ging es darum, eine neue, zusätzliche kulturelle Handlungsebene zwischen Land und Kommunen einzuziehen, um so den regionalen Austausch wie auch die Kooperation zwischen den verschiedenen Akteuren der Kulturpolitik und -arbeit im Lande zu fördern.

Zu diesem Zweck wurden 10 Regionen gebildet, die jeweils auf gemeinsamen historischen und kulturellen oder arbeitspragmatischen Fundamenten ruhten. Gleichzeitig benannte die jeweilige Region spezifische Entwicklungspotentiale, die es fortan kulturell zu profilieren galt. Zudem wurden „Ziele und Förderthemen“ formuliert, die die Regionale Kulturpolitik landesweit leiten sollten. Hierzu gehören etwa die Verbesserung der kulturellen Infrastruktur, die Intensivierung des Informationsaustausches der Akteure untereinander, die Qualifizierung und Vernetzung des Kulturangebots, die verbesserte Verzahnung mit anderen Politikfeldern, die Entwicklung von kulturellen Highlights sowie die Etablierung neuer Kulturformen und -einrichtungen. 

Alles in allem sind damit die Aufgaben und Tätigkeitsbereiche der Regionalen Kulturpolitik auf die spezifischen Bedürfnisse und Entwicklungspotentiale in den 10 Kulturregionen des Landes bezogen. Doch es gibt auch Ausnahmen, sog. Querschnittsprofile, die gleichsam im ganzen Land Geltung haben. Neben den innovativen, vernetzenden und qualifizierenden Aufgaben der Regionalen Kulturpolitik zählt auch die Kinder- und Jugendkultur, deren Weiterentwicklung insgesamt proklamiert wird und gefördert werden soll. Explizit haben sich dazu die Kulturregion im Münsterland (Profil: „Konzept Kindermuseum“) und am Hellweg (Profil: „Junger Hellweg“) bekannt, doch auch die anderen Regionen haben zunehmend eingesehen, dass das Problem der „nachwachsenden Kultur“ bzw. des „kulturellen Nachwuchses“ – so etwa der Titel einer Fachtagung in der Rheinschiene im Jahr 2000 – zur Überlebensfrage vieler „klassischer“ Kultureinrichtungen werden könnte. Ein weiteres Querschnittsprofil ist die interkulturelle Arbeit und Initiativen, die sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass wir bald ein potentielles Kulturpublikum haben werden, das sich zu 30 – 40 % aus Migrantinnen und Migranten zusammensetzt. Projekte, die dieses Profil ausfüllen, werden besonders gefördert.

 

>> http://www.regionalekulturpolitiknrw.de